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Arbeitsstellen in der Wandlung: Von der Industrialisierung bis zur Gegenwart

written by Raschel
at 5:27 pm
on September 26, 2008
in Diverses
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Bis hin zum achtzehnten Jahrhundert erlangten viele Personen ihren Unterhalt als Selbstständige durch Ackerbau und durch Züchten der Tiere. Durch den Anfang des industriellen Zeitalters und die damit einhergehende Entfaltung der so genannten Arbeitsteilung veränderte sich dieser Zustand. Die Entwicklung des non-primären Geschäftsbereichs Industrie (und anschließend auch des nachfolgenden Sektors Serviceleistungen) hinterließen einen bleibenden Eindruck in der Arbeitswelt. Mit den Jahren entstand eine Gesellschaftsschicht der Arbeiter, die als angewiesene Beschäftigte bei einem Unternehmen beschäftigt waren und für ihre Leistung durch Geldleistungen entlohnt wurden. In Deutschland verbesserten sich die gerade zu Beginn des industriellen Zeitalters doch ziemlich schlechten Arbeitsbedingungen durch Arbeitnehmerorganisationen, Tarifverträge und gesetzliche Schuzmaßnahmen wie zum Beispiel Schutz vor Kündigung. Mit den Veränderungen der Arbeitsbedingungen ging nach dem zweiten Weltkrieg auch ein Wachstum der Sicherheit des Arbeitsplatzes einher. Daher war es zu Zeiten des sogenannten Wirtschaftswunders in der Bundesrepublik ab den fünfziger Jahren nichts Ungewöhnliches, dass ein Arbeiter über viele Jahre oder gar dutzende Jahre bei einer Firma beschäftigt war oder gar sein komplettes Leben hindurch bis zum Anfang seiner Pensionierung stets in dem gleichen Unternehmen arbeitete. Demgemäß wurden mit den Angestellten oftmals strikte Arbeitsverträge ohne Befristung ausgemacht, wodurch die Arbeiter eine große Planungs- und Arbeitsplatzsicherheit erhielten. Das Ende des Rüstungskrieges zwischen Ost und West und der Anfang der des globalen Marktes brachten große Erneuerungen für die Handelswelt der europäischen Industrienationen und besonders für die Wirtschaft in Deutschland und den deutschen Arbeitsmarkt mit sich. Da Deutschland ein Hochlohnland ist und die Arbeiterlöhne in den osteuropäischen Staaten und Asien deutlich niedriger sind, wurde Flexibilität im Personalbereich für Unternehmen besonders wichtig, weshalb determinierte Arbeitsverträge und Zeitarbeit an Wichtigkeit gewannen und die Schwankung in den Unternehmen anstieg. Wegen der hohen Arbeiterlöhne und rechtlichen Hürden wie zum Beispiel dem vielfach debattierten Schutz vor Kündigung stellten Unternehmen neue Mitarbeiter oftmals nur noch befristet ein oder es gab im eigenen Land komplett einen Verzicht auf Schaffung noch nicht vorhandener Stellen. In Deutschland führte dies zu einem enormen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf über 5 Mio. Personen.In Deutschland probierte die rot-grüne Bundesregierung während der Rezessionsjahre kurz nach der Jahrtausendwende, die Arbeitslosigkeit zu Bekämpfen und die Wirtschaft anzutreiben. Hierfür wurden die sogenannten Agenda 2010 und die Hartz-Reformen entwickelt, welche unter anderem eine Festigung der befristete Arbeit durch den Rückgang von strengen Richtlinien wie zum Beispiel einer maximalen Überlassungsdauer arrangieren sollten. Für die Firmenchefs hat befristete Arbeit den Nutzen, dass bei besonders hoher Auslastung eines Unternehmens über solche Dienstleister ganz fix Mitarbeiter hinzugezogen werden können. Solche Arbeiter sind bei der Firma für Zeitarbeit beschäftigt und werden dieser Firma bezahlt. Wenn die Beschäftigung in dem vermittelnden Unternehmen niedriger wird, muss der Zeitarbeiter nicht mehr von diesem Betrieb beschäftigt werden und die Firma für Zeitarbeit findet ein neues Unternehmen für ihn. Die Personallogistik übernimmt somit die Zeitarbeitsfirma. Der große Vorteil für den Zeitarbeiter ist, dass er den Zustand der Arbeitslosigkeit überwindet, wichtige Sachkenntnisse sammelt und bei guter Leistung gegebenenfalls auch Chancen auf eine Übernahme und somit eine Arbeitsplatzgarantie in einem Unternehmen erlangt. Der Bereich befristete Arbeit und Personaldienstleistung erlangte aufgrund der Lockerheit gesetzlicher Bestimmungen somit deutlich an Zuneigung, was zur Folge hatte, dass viele Unternehmen seit mehreren Jahren ergänzend zur sogenannten Stammbelegschaft verstärkt auf Zeitarbeiter zurückgreifen. Daher trug ebenfalls die Zeitarbeit Deutschland seinen Anteil zum merklichen Rückgang der Arbeitslosigkeit seit Ende 2005 bei.

Ralph Schuenemann
Ralph.Schuenemann@googlemail.com


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